Liebe Kolleginnen und Kollegen

Im Mai 2012 findet zum vierten Mal das Internationale Symposium Forensische Psychiatrie in Zürich statt. Ziel des Symposiums ist es, in Form von praxisorientierten Vorträgen und Workshops «State-of-the-art» Wissen zu vermitteln. Inhaltliche Schwerpunkte der Tagung;sind dabei Risikobeurteilungen sowie deliktorientierte Therapien bei
Gewalt- und Sexualstraftätern. Das kommende Symposium bietet;daneben erstmals Workshops zu den Themen «Jugendliche Straftäter»sowie «Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen» an.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und den Austausch mit Ihnen

Jérôme Endrass, Astrid Rossegger,
Frank Urbaniok

Forens_Psych_Flyer_A5_web.pdf Flyer

Grusswort

Ich war während fünfzehn Jahren im Kanton Zürich politisch verantwortlich für den Bereich Strafverfolgung und Justizvollzug. In dieser Zeit hat sich der Stellenwert, aber auch das Selbstverständnis der forensischen Psychiatrie enorm verändert. Das lässt sich auch an der Organisation des Zürcher Psychiatrisch-psychologischen Dienstes (PPD) ablesen. Aus dem Kleinstbetrieb, der als eher exotisches Anhängsel, als Orchideen-Abteilung in der Juristen- und Verwaltungswelt der Justizdirektion wahrgenommen wurde, hat sich eine grosse und prägende Hauptabteilung entwickelt. Vom wenig systematischen, Beizug der forensischen Psychiatrie in bestimmten Einzelfällen hat sich eine beinahe 

flächendeckende Versorgung mit spezialisierten Therapieformen entwickelt. Der gesellschaftlich relevante Aspekt im Auftrag der Forensik ist zunehmend ins Bewusstsein gerückt. Plakativ gesprochen: Opferschutz durch Täter-Therapie.

Der forensischen Psychiatrie ist in den letzten Jahren nicht nur Bedeutung, sondern damit verbunden auch Verantwortung zugewachsen.Dieser Verantwortung kann sie nur gerecht werden, wenn die forensischen Fachpersonen auf der Höhe ihres Fachs sind. Diesem Ziel dient das Internationale Symposium Forensische Psychiatrie. Die fachliche Aus- und Weiterbildung, der Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen sind unentbehrlich. Zudem ist aber auch ein Dialog über den fachlichen Bezirk hinaus notwendig: ein Dialog mit «Nachbardisziplinen», wie der Rechtswissenschaft, aber auch ein Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit. Dabei sind die Möglichkeiten und Grenzen der forensischen Psychiatrie hinsichtlich Erkenntnis und Handlung aufzuzeigen. Und es gilt vor übertriebenen Erwartungen zu warnen.

Dass sich die Plenarvorträge hauptsächlich dem Lügen widmen, dürfte den Dialog mit der Öffentlichkeit erleichtern. Wird hier doch ein allzu bekanntes menschliches Phänomen beleuchtet, bei dem das Expertenwissen - jedenfalls was die praktische Seite anbelangt - sehr weit verbreitet sein dürfte. Auch der ehemalige Politiker findet für einmal leichten Zugang. Und dass sich das Symposium auch der Frage widmet, wie oft sich Experten in ihren klinischen Urteilen täuschen, zeugt von jener selbstkritischen Haltung, die jede Wissenschaft auszeichnet.

Ich danke den Veranstaltern für ihre Initiative und wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine fruchtbare und erfolgreiche Tagung.

Dr. Markus Notter